Aktuelles 2014


16.05. - 18.05.2014 Kihon 1 Seminar im Budokan in Bensheim mit Sensei Werner Lind und Sensei Matthias Degen

Bericht Melanie Sanderhoff und Torsten Erler:

Am Wochenende fuhr ich das erste Mal, in den Budokan des Budostudienkreises nach Bensheim. Das Thema war Kihon - die Grundschule des Karate. In diesem Seminar wurden viele Prinzipien der Grundschule erklärt, erlebt und auch in den Trainingspausen philosophisch betrachtet. Das Training war eigentlich nicht anders, als im "heimischen" Dojo, aber dennoch waren die Übungen, unter der Leitung von Sensei Werner Lind und Sensei Matthias Degen etwas anderes.

Das Rei (zeremonielle Verbeugung) und das Yoi (die Achtungshaltung vor dem Beginn jeder Übung) waren und sind die Basis im Karate. Das vermeintlich Einfache wurde für mich immer anstrengender und "schwerer". Meine Aufmerksamkeit war im besonderen gefordert. Es ging um das richtige Maß an Bewegung, Haltung und Atmung. Mal bewegte ich mich zu wenig, aber sehr oft viel zu viel. Die Haltung, die Atmung und eine Menge anderer Dingen, unterlagen der selben Betrachtung.

 

Im Rei lernte ich, das Anfängerbewusstsein, den Respekt, die Demut und das Vertrauen zu mir und zu meinem Übungspartner zu demonstrieren. Im Yoi sollte sich mein Körper im Einklang mit der äußeren und inneren Haltung befinden. Meine Energie kann durch die Atmung und Aufmerksamkeit fliessen und ich übte den verweilenden Geist "ZANSHIN", dies alles Gegenwärtig zu betrachten. Das richtig Verhältnis von Spannung und Entspannung, von Haltung und Nichthaltung, die Verbindung zur Ein - und Ausatmung, konnte ich mit dieser Übung erkennen und ich versuchte diese Aspekte zu vertiefen.

Der Oi-zuki (die anstürmende Faust) und der Gedan-Barei (die Fege Abwehrbewegung im unteren Körperbereich) übte ich unter diesen Gesichtspunkten. Im Zentrum jeder Bewegung unterrichteten die Senseis den Einsatz der Hüfte. Wie dreh ich ab, wann und warum. Alles Dinge, die einen dazu zwingen, immer und immer auf's neue zu üben. Egal welche Technik, welche Form, welcher Ablauf u.s.w. . Ich habe auch erkannt, das die Techniken, wenn ich diese vermeintlich "falsch" ausgeführt habe, nicht ewig nachbetrachtet werden dürfen. Das bewertende oder auch das unterscheidende Bewusstsein, galt es zu minimieren, um sich nur im Moment der reinen Bewegung energetisch zu entfalten. Dann kann sich die Technik entwickeln und ich wachse Selbst. Nicht mehr Denken, was ist Richtig und was ist Falsch, einfach sich beobachten und ohne ständige Wertung "Einfach mal machen"! - In Betrachtung der o.g. Dinge wird der Körper geformt und unser Selbst kommt zur vollen Entfaltung.

Die Intensität des Seminars war sehr hoch, anspruchsvoll, lehrreich und gab Kraft zum Wachsen. Der Prozeß des sich Formens beginnt einmal aufs NEUE. Vielen Dank an Sensei Matthias Degen und Sensei Werner Lind für diese wertvollen Erfahrungen.

Melanie Sanderhoff
ZEN-Karate Cottbus e.V.

Bericht von Stephanie Menz

„Jedes Training bringt einen weiter, wenn man wirklich will.“
Es ist einige Jahre her, als ich das letzte Mal zum Training im Budokan in Bensheim war. Dementsprechend war ich sehr aufgeregt, als wir uns am Freitag, dem 16.05.2014, auf den Weg machten. Durch meine Spätschicht konnten wir erst 23 Uhr losfahren. Danke für das Verständnis und die Rücksichtnahme der Mitfahrer, Torsten Erler, Melanie Sanderhoff und Lars Wandke. Während der Fahrt sangen wir miteinander und führten interessante Gespräche, so dass erst gar keine Müdigkeit aufkommen konnte.

 

In der Frühe erreichten wir Bensheim und wurden von Sensei Werner Lind und seinen Hunden herzlichst begrüßt.
Am Samstag morgen begann das Seminar Kihon 1 unter Anleitung von Sensei Matthias Degen. Nach der Aufwärmung widmeten wir unsere Aufmerksamkeit dem Rei und Yoi. Neben allen anderen wichtigen Übungen und Trainingsinhalten des Lehrganges, hat
die Betrachtungsweise und Ausführung des Rei und Yoi viele neue Gedanken in mir ausgelöst. Rei und Yoii begleiten uns während des ganzen Trainings immer wieder. Ich habe beides ausgeführt, ohne besonders darauf zu Achten, wie wichtig sie sind bzw. welche Bedeutung sie für unser Training haben. Beide gehörten halt dazu. Damit lag ich mehr als falsch. Drei wesentliche Aspekte sind bei der Übung des Rei und Yoi i zu betrachten und zu beachten.

 

  • Respekt „Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.“ Das gilt ebensoin unserem Alltag, außerhalb des Dojo!
  • Demut/Vertrauen -Die Verbeugung, z.B. gegenüberseinem Trainingspartner, beschreibt die Demut. Dabei den Blick zu senken, das spiegelt das Vertrauen zum Partner wieder.
  • Anfängerbewusstsein -Wir sehen uns stets als Übendeund sind nicht besser als Andere, nur weil wir augenscheinlich eine höhere Graduierung besitzen.

Yoi - Haltung (Shisei) - Sie beschreibt sowohl die innere (psychische) und äußere (physische) Haltung und wird als Einheit betrachtet.-
Spannung/Entspannung (Kinch/Kinchkanwa) - Im rechten Moment benötigen wir beides, ohne verspannt noch schlaff zu sein. Es gilt die Harmonie zwischen beiden zu finden.-
Atmung (Kokyku) - Sie bestimmt das Nehmen (Einatmen) und Geben (Ausatmen) von Energie.
Gleich nach Beginn des Seminars brachte uns Sensei Matthias Degen die Wichtigkeit des Rei und Yoi näher. So dachte ich bei jeder Ausführung über jeden Aspekt nach und wollte es richtig machen. Doch Denken ist dabei nicht gerade ein Vorteil. Viel wichtiger ist das Kopfdenken im Einklang mit dem Gefühl (der inneren Haltung) zu bringen. „Einfach machen“ – „Nicht so viel nachdenken“. Es klingt leicht, doch ich kann Euch versichern, dass dem nicht so ist. Ich danke Sensei Matthias Degen für die
Vielfalt der Übungen und das Näherbringen neuer Sichtweisen in Bezug auf das Kihon.
Nach beiden Trainingstagen, saßen wir in der Gemeinschaft zusammen. Es war ein sehr schönes Miteinander und ich danke unserem Lehrer Torsten Erler, dass er uns die Teilnahme an diesem Seminar ermöglicht hat.
Besonders danken möchte ich Sensei Werner Lind, für die ernsten sowie auch lustigen Gespräche. „Ich selbst werden“ in meinem Leben, sowie die Achtung des Miteinander in unserer Gesellschaft.

Stephanie Menz
Schülerin des ZEN-Karate Cottbus e.V.


29.03.-30.03.2014 Freies Kumite

Studien und Aufbau mit Sensei W.Lind; Sensei C.Lind und Sensei M. Degen

Begegnung der Hände“ oder „Technik der Begegnung“ - Bericht von Dirk Dommach Lehrer ZEN-Karate Cottbus e.V. Mit welcher Übersetzung von „Kumite“ werde ich mich wohl nach dem Seminar mehr identifizieren können? Als wir Cottbuser um 04:00 in Richtung Bensheim aufbrachen, war die Landschaft in Nebel getaucht. Kaum 50m Sicht! Eine ähnliche verschwommene oder unkonkrete Sicht hatte ich auch bezogenen auf das Seminarthema. Ich kannte verschiedene Kumite – Formen, aber mein Wissen über das „Freie Kumite“ war sehr lückenhaft.

Somit konzentrierte ich mich auch zunächst auf die Formen. Aufmerksam verfolgte ich Sensei Christian Lind’s Ausführungen zu den verschiedenen Fuss- sowie Körperbewegungen, Angriffs – und Kontertechniken. Wie muss ich den Partner beobachten bezogen auf Lücken oder Schwächen und vieles mehr. Immer wieder wies Sensei Christian Lind jedoch darauf hin, dass es auch im Freien Kumite nicht vordergründig auf die Techniken ankommt, sondern auf die innere Haltung. Nur der Gelassene mit ruhigem Geist ist in der Lage, die Situation richtig einzuschätzen und sich richtig zu verhalten. Weder ist Angriff immer die beste Verteidigung noch ist Reagieren auf einen Angriff immer die richtige Lösung.


Das aufmerksame Selbstbetrachten und die daraus resultierenden Entscheidungen in diesem Seminar waren eine schwere und anspruchsvolle Übung, genau wie beim Studieren einer Kata oder beim täglichen Miteinander in der Gemeinschaft. „Finde die Dojokun in der Karate – Übung!“ bemerkte Sensei Werner Lind zwischendurch in einer Pause. Die Tiefe dieser kurzen Bemerkung wurde mir nach dem Seminar erst so richtig bewusst. Das Freie Kumite ist eine weitere Möglichkeit, meine eigene innere Haltung zu reflektieren. Dabei spiegelt die Übung mein richtiges bzw. falsches Verhalten in der jeweiligen Situation wider. Eigenschaften wie Unentschlossenheit, Selbstherrlichkeit, Egoismus oder Oberflächlichkeit machen den Karateka beim Freien Kumite blind für die Realität und behindern ihn in der richtigen Entscheidung.Herzlichen Dank an Sensei Werner Lind, Sensei Christian Lind und Sensei Matthias Degen für die erneute „Aufklarung“ meiner Sicht und die geduldige Beantwortung meiner Fragen.

Dirk Dommach
ZEN-Karate Cottbus e.V.


17.03.2014 Training mit Sensei Marcus Neudert

(6.DAN Shotokan Kenpo Karate) Mitbegründer des Budostudienkreises

Am Montag, dem 17.03.2014, durften wir vom Zen-Karate Cottbus e.V. wieder einmal in den Genuß kommen, an einem Training unter der Leitung von Marcus Neudert (6. DAN Shotokan Kempo Karate), teilnehmen zu dürfen. Zunächst muß ich sagen, dass es eine Bereicherung für unser Dojo und die gesamte Gemeinschaft ist, dass sich Marcus die Zeit nimmt, uns in regelmäßigen Abständen zu besuchen.

 

Auch wenn es schwer ist, aus einem komplexen Training, bei dem jede Geste von Bedeutung sein kann, etwas spezielles hervorzuheben, denke ich, gab es vier Schwerpunkte:


Die Atmung

Die Übungsschwerpunkte in Bezug auf die Atmung lagen in der Verdeutlichung, dass diese nicht nur eine zweckmäßige Begleiterscheinung der Bewegung, sondern vielmehr eine fundamentale Voraussetzung dafür ist. So dient die Atmung zum Einen als physiologische Grundlage, um „Energie“ aufzunehmen. Das haben wir z.B. geübt, in dem wir die Technik "tate shuto uke“ nicht als Block, sondern als Aufziehbewegung für einen anschließenden gyaku tsuki angewendet haben.
 
Ein weiterer Aspekt war es der Bewegung „Geist“ zu geben. Hierbei sollte ebenfalls die Atmung als Hilfestellung dienen, in dem man sich vollständig auf sie konzentriert, ist eine geistvolle und achtsame Ausführung der Bewegung unabdingbar, so Marcus Neudert.
Aus der Vertiefung des Themas Atmung ergibt sich der nächste Schwerpunkt:

Das geistige Auge
Auch wenn wir diesen Punkt nur kurz angeschnitten haben, würde ich ihn dennoch als wesentlichen Bestandteil des letzten Trainings bezeichnen. Ist es uns gelungen, durch die richtige Atmung, einen Zustand der besonderen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu erreichen, so sollte diese Übung, darauf aufbauend, noch eine Steigerung sein. Das Ziel war es, durch eine langsame, mit einer tiefen Einatmung begleiteten Aufziehbewegung, den Focus durch den Gegner hindurch, auf seine Gesamtheit zu richten. Das ganze allerdings weniger visuell, sondern vielmehr mit einem (gedachten) 3. Auge in der Mitte der Stirn, als Sinnbild für eine mentale, geistige Wahrnehmung der Situation.
Im weiteren Verlauf des Trainings wurde eine klare Trennung zwischen den unterschiedlichen Graduierungen der Farbgurte vollzogen. So beschäftigten sich die Schwarzgurte mit den Fortgeschrittenen tekki kata und den darauf aufbauenden Jyu Ippom Kumite Formen.
Für die anderen Farbgurte wurde der Focus auf Kihon und Kihon Ippon Kumite gelegt. Wobei die Übung für die Orange-Gurte gleichzeitig darin bestand, die niederen Farbgurte zu unterrichten.

Als viertes Trainingselement gab es zum Abschluß 20 Minuten Zeit für freies Training. Dabei sollte der Schwerpunkt für jeden darin liegen, sich explizit nur mit sich zu beschäftigen, um dabei für sich selbst herauszufinden, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen und diese galt es dann zu bearbeiten.

Das anschließende Gespräch im Clubraum war dann noch der krönende Abschluss. Hier wurden einige Ansätze des Trainings nochmals aufgegriffen und besprochen.

Alles in Allem wiedermal eine geniale Sache!

Daniel Kokisch
Schüler im ZEN-Karate Cottbus e.V.
 

 
Jiyu renshu – Freies Üben in der Kampfkunst

Am Montag, dem 17. März war Sensei Marcus Neudert – BSK-Hauptlehrer – zu Gast im Dojo Cottbus, um uns in der Karateübung anzuleiten.
Zum Ende gab er uns Schülern der Kyustufe dann Gelegenheit, zwanzig Minuten frei zu üben. Ich übte mit Holger Tsuki waza am Medizinball und am Makiwara. Da merkte ich dann gleich, wo es bei mir klemmt: eine vernachlässigte Atmung, die ganze Zeit angespannte Arme und Schultern und noch andere „Kleinigkeiten“, welche die Wirkung der Technik verringern. Im anschließenden Mondo betonte Sensei Neudert nochmals die Wichtigkeit des freien Übens innerhalb des geführten Trainings. Mit zunehmendem Fortschritt wird das freie Üben und damit die Selbsterfahrung immer wichtiger, um voranzukommen. In der freien Übung kann ich die Schwerpunkte setzen, kann ich nach den Zusammenhängen forschen. Beim Jiyu renshu steht die Frage: Will ich an meinen Schwachpunkten arbeiten, auf die mich der Trainer immer wieder hinweist oder will ich mich mit Formen beschäftigen, die mir besonders liegen und dort tiefer üben? Auch kann ich entscheiden, ob ich allein (Kihon, Kata) oder mit dem Partner (Kakie, Renzoku waza, Kumite) übe.

Bei den Worten des Senseis spürte ich, daß das freie Üben Freude und Mühe bedeutet, noch mehr als beim angeleiteten Training. Es ist toll, wenn ich etwas üben kann, was im Training zu kurz kommt. Oder wenn ich hartnäckige Fehler (Haltung, Spannung, Atmung) angehe. Aber warum Mühe? Ich muß lernen, mich selbst aufmerksam und kritisch zu beobachten. Das habe ich schon oft von meinen Lehrern gehört, aber das Umsetzen fällt mir schwer. Im freien Üben bin ich mein Lehrer, und das finde ich sehr anspruchsvoll. Ich muß lernen, meinen zerstreuten Geist zu sammeln und auf die eine Sache, sprich Technik zu lenken. Ich begleite sie geistig und sehe, was passiert. Dabei hilft bewußtes Atmen.

Gleichzeitig nach außen (Technik, Raumorientierung, Spannung, Körperhaltung) und innen (Geist, innere Haltung, Atmung) schauen. Wenn mir das besser gelingt, wird mein Karate auch besser. Dieses Training hat mir den Anstoß gegeben, mich mehr mit der Atmung zu beschäftigen.

„Laßt den Atem fließen, atmet bewußt! Dann begleitet der Geist die Technik automatisch.“
(Marcus Neudert)

Bernd Melcher
Schüler ZEN-Karate Cottbus e.V.