Aktuelles 2012


Ukemi-, Nage-, Katame Waza mit Sensei Matthias Degen 4.DAN BSK im Budokan in Bensheim 11.05.12 -13.05.12

Matthias begann das Seminar mit der Erläuterung des Prinzip UKEMI:
„Das rechte Maß an gegenhalten und annehmen!“
Diese Betrachtung war sehr wichtig für mein Übungsverständnis.

Wir üben nicht nur das körperliche Fallen, sondern, so habe ich es verstanden, die physischen und psychische Gleichgewichtskontrolle, um das Gleichgewicht in der Übung für die Übung anpassen zu können oder um sich selbst in einer realistischen Situation der Selbstverteidigung entscheidend zu beherrschen. Bewegungen vom Stehen, über das Rollen oder Fallen zum Liegen auf den Boden, sind ungewohnt, da wir unser Gefühl, den Körper gegenüber der Schwerkraft zu kontrollieren, auf eine andere Art und Weise kennenlernen müssen. Wir begeben uns in einen Bewegungsablauf hinein, der nicht mehr umkehrbar ist, sondern nur noch kontrolliert werden kann. Wir haben, bzw. versuchen, in jeder Phase der Bewegung, die Kontrolle über unser Gleichgewicht zu halten. Selbst beim Fallen und Rollen achten wir auf unser dynamisches Gleichgewicht, bzw. auf unsere Innere Haltung. Wir entwickeln eine innere Wahrnehmung, um uns selbst in diesen Prozessen zu studieren. In einem Gespräch mit Sensei Werner Lind betonte er die unendliche vielen physischen und psychischen Veränderungen beim Üben scheinbar einfacher Kihon Techniken, welche in uns ausgelöst werden und darüber hinaus zum Studium unsere eigenen Bewegungsintelligenz benutzt werden müssen. Darauf begründet er die Aussage, jeder ernsthaft Übende kann im Karate seine Meisterschaft erreichen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Konstitution und Kondition. Ein Gedanke der im Kampfsport nicht geteilt werden kann, da im Besonderen die maximale Funktionsfähigkeit des physischen Körpers im Vordergrund steht. Neben der Gesunderhaltung und der Selbstverteidigung ist die Selbstbetrachtung und Verwirklichung die wesentliche Säule des Shotokan Kenpo Karate.


Das angepasste Gleichgewicht (annehmen und gegenhalten) ist Voraussetzung für die Entwicklung einer exakten Übungsform und die Vermeidung von Verletzungen an sich und seinem Partner. In den Dojokun von Funakoshi Gichin heißt es: „Kontrolliere Deinen Geist und befreie ihn!“ Dieser „Hinweis“ ist so tief und gründlich in seiner Bedeutung,dass ich auf der jetzigen Stufe meines Übungsbewußtseins von seiner derzeitigen „Unerreichbarkeit“ erschlagen bin. Das Seminar hat mir gezeigt, wie sehr wir noch mit der physischen Kontrolle unseres ICHs beschäftigt sind. Beim Fallen im rechten Maß gegenhalten, vermittelt dem Partner die Übung für die exakte Durchführung der Form und der damit erst verbundenen effektiven Wirkung. Beim Fallen im rechten Maß Bewegung annehmen, gibt uns die Möglichkeit physisch und psychisch Fallen zu üben und unserem Partner Werfen üben möglich zu machen. Während der Übung das Gleichgewicht zu kontrollieren, übt uns in der Selbstverteidigung.  Die Komplexität der Übung zu erfassen, zeigt uns den Weg, zu unseren inneren Barrieren und zu unserem Verständnis der eigenen Selbstverwirklichung.

Ich möchte mich herzlich bei Matthias Degen für das sehr lehrreiche Seminar bedanken. In einer besonderen Art und Weise verstand er es, diese tiefführenden komplexen Inhalte sehr wirkungsvoll und weiterführend zu vermitteln. Als Lehrer in einer Karate Gemeinschaft hat mir die methodische Herangehensweise sehr viel Werkzeug für meine eigenen Unterrichte gegeben.

Im Zen gibt es eine Betrachtung: „…6 mal hinfallen und 7 mal aufstehen!“ Dies haben wir bei diesem Seminar gelernt. Auf unser eigenes Leben übertragen, bedeutet Fallen können und sich wieder zu erheben einen unschätzbaren Wert in der eigenen Verwirklichung.

Torsten Erler
ZEN-Karate Cottbus e.V.


Goshin Seminar 1 - 3 mit Sensei Peter Schömbs 6.DAN BSK im Budokan in Bensheim

27.04.12 - 29.04.12 Goshin Seminar in Bensheim
Martina Grellert und Véronique Bunk ; ZEN Karate Cottbus e.V.

Große Aufregung schon seit Tagen, unser erstes Seminar beim BSK in Bensheim.

Wir als ganz neue Anfänger im Karate wagten uns nun ein intensives Trainingswochenende zum Thema Goshin 1-3 beim Sensei Peter Schömbs mitzumachen. Unsere Lehrer Torsten Erler und Dirk Dommach waren auch dabei, was einerseits ganz beruhigend schien, jedoch auch etwas Unbehagen auslöste, denn immerhin wollten wir auch bei ihnen einen guten Eindruck hinterlassen. Sieben Stunden Autofahrt von Cottbus nach Bensheim ließen einen so manch queren Gedanken im Kopf zu. Doch diese erloschen beim Betreten des Budokan, die ganze Aufmerksamkeit galt nun dem Seminar.


Zum Gruppentraining am Freitagabend haben wir es leider nicht mehr rechtzeitig geschafft. Den Samstag mit einem sonnigen Frühstück zu beginnen half gleich erste Kontakte zu knüpfen und den Erfahrungsaustausch anderer Teilnehmer zu lauschen. Unser erstes Training zum Thema fand draußen unter prallem Sonnenschein auf der Wiese statt. Mit großer Aufmerksamkeit versuchten wir die im Detail gezeigten Bewegungsformen zu studieren und letztlich mit unseren Übungspartnern auszuführen. Verzweiflung, teilweise Wut sich selbst gegenüber aber auch Freude wechselten sich wie kleine Geister im Bauch ab. Im Kopf entstand ein virtueller Knoten, der sich aber im Laufe der Übungen ab und zu löste, denn die Bewegungen wurden fließender und den Versuch alles mit den Gedanken steuern zu wollen, gaben wir manchmal auch auf. Große Motivation sich zu konzentrieren und intensiv zu üben brachte jedoch die Geduld und Aufmerksamkeit der Senseis und Übungspartnern uns Weißgurten gegenüber. Aufgrund der relativ kleinen Gruppe genossen wir immer ein kritisches Auge der Senseis. Beim anschließenden Bo-Training wurde das letzte Fünkchen Geduld abgefragt. In angenehmer Atmosphäre ging dieser beeindruckende Trainingstag zu ende. Der Sonntag war nicht minder interessant, drei Stunden intensives Partnertraining. Wir Weißgurte hatten nun noch einmal die Möglichkeit bei guter Unterrichtung der Senseis die Bewegungsformen vom Samstag zu intensivieren.

 

Wir bedanken uns sehr herzlich für diese intensiv lehrreiche und beeindruckende Zeit im Budokan Bensheim und freuen uns auf das nächste Seminar.

In Vorbereitung zur Prüfung 9.Kyu Martina Grellert und Véronique Bunk;
ZEN Karate Cottbus e.V.


Goshin Seminar im Budokan in Bensheim

„Das japanische Schriftzeichen für Zazen ?? , besteht aus zwei Menschen, die zusammen auf der Erde sitzen. Wer sind diese beiden Menschen? Diese beiden Menschen sind ICH und ICH. Auf dem Boden begegnen wir uns Selbst und schauen in unser Inneres, das ist ZAZEN.“ (Hozumi Gensho Roshi – ZEN Herz)


Während der Karate Übungen begegnen wir auch uns Selbst. Ich und Ich stehen sichgegenüber. Darin liegt im Besonderen der Wert eines Seminares. Der Übende hat mehr Zeit für die Wahrnehmung der eigenen inneren Vorgänge – dem Fundament für die innere Haltung. Es findet ein hohes Maß an Übungsintensität statt, eine nicht alltägliche physische und psychische Belastung und wir können uns in diesen Situationen studieren. Wie gehen wir mit uns Selbst um? Entsteht Gleichgültigkeit, Unzufriedenheit, Wut, Kraftprotzerei, Unverständnis, Unachtsamkeit usw. oder verfallen wir in DEMUT, da die innere Haltung noch zu wenig wirkt.

 

Ein Seminar lehrt Formen und Abläufe, an diesem Wochenende die Abläufe der Goshin Formen 1 bis 3, Selbstverteidigung in Anlehnung an Kata Heian Shodan bis Heian Sandan. Welches Selbst verteidigen wir? Das äußere Selbst, dessen Bedeutung wir uns in der Wirkung nur selten bewusst sind oder das innere Selbst, dessen Existenz wir uns oft selbst verschweigen. Karate und Zazen drehen den Spiegel von unserem Gesicht weg, hin zum eigenen Herzen. Im Kern der Übung beschäftigen wir uns mit uns Selbst. Wir erarbeiten uns einen eigenen Standpunkt mit Außenwirkung, an dem die Lehrer unseren Fortschritt wahrnehmen oder eben nicht wahrnehmen. Goshin 1 -3 vertieft einmal mehr unser Verständnis in der Entschlüsselung von Formen und Bewegungen im Karate. Unser Verhalten zeigt die Wirkung des ICHs, auch außerhalb des Dojos. Dieses Verhalten wird geprägt von der Begegnung mit sich selbst, dem Gegenüberstehen von ICH und ICH mit offen Augen und offenen Ohren. Dieses Seminar hat mir meine Augen und Ohren weit geöffnet. Zurückhaltung oder Übereifer, die Rechte Anstrengung ist der Weg in der Übung zu sich selbst, der s.g.mittlere Weg.

Shigen Osho, ein ZEN – Meister im alten China, lebt im Zuigon – Tempel. Er sagt jeden Tag mit lauter Stimme zu sich selbst: „Mein Herr!“ und antwortet: „Ja!“ Dann fragt er sich laut: „Bist Du wach? Ja!“ antwortet er sich laut. „Dann lass Dich nicht betrügen“ Gab er sich zurück. „Nein, nein!“ meinte er dann. Er fragt sich selbst und antwortet sich selbst, ein sehr merkwürdiger Osho. (Hozumi Gensho Roshi ZEN – Herz)

Torsten Erler
ZEN-Karate Cottbus e.V.

Unser Frühjahrsputz, 21.April 2012