20.11. - 22.11.2015 Frei Formen des Kumite - Bericht von Dirk Dommach

Als ich am Freitagabend gegen 23:30 Uhr die Tür zum Budokan öffne, verspüre ich wieder Neugier, Freude und Anspannung zugleich. Neugier und Anspannung beziehen sich dabei auf das Unbekannte und Neue, was ich bezogen auf den BSK allgemein und die Kampfkunst speziell wieder erleben werde. Freude empfinde ich wegen des bevorstehenden Wiedersehens liebgewonnener Menschen. 

Bestätigung bekomme ich schon, als gleich nach dem Eintreten Milan (ein Dojoleiter aus Bratislava) und ich uns kräftig und freundschaftlich umarmen. Bezogen auf das Seminarthema will ich meine Aufmerksamkeit auf das Verhalten beim Freien Jiyu legen.

 

 Was gibt es für Strategien ...

... , Taktiken sowohl für den Angriff wie auch für die Verteidigung und den Gegenangriff? Welche Alternativen und Möglichkeiten werde ich kennenlernen, um bewusst zu agieren und nicht nur reagieren zu können?

 

Sensei Christian Lind stellt den Vergleich zum Schachspiel auf und erläutert die vielen Parallelen. Ich muss mir einen Anfang überlegen, vorausschauend agieren, mich auf meinen Partner einstellen, ihn verwirren oder in Sicherheit wiegen, seine Pläne oder Strategie stören, mit Finten arbeiten, ihn

–zum Angriff- verführen u.v.m. Zu jeder Thematik gibt er uns „Werkzeuge“ an die Hand, mit denen wir das entsprechende Verhalten trainieren.

Beim Auseinandersetzen mit den verschiedenen Kombinationen merke ich, wie viele Verhaltensweisen bereits im Kihon Ippon Kumite sowie im Jiyu Ippon Kumite geübt werden. Nur dass bei der Freien Form weniger Zeit zur Verfügung steht bzw. der Kampf weiter geht, so z.B. beim Einnehmen der richtigen Position (Abstand, Winkel, Denkung) zum Partner. Ich erlebe wieder, dass nur mit dem richtig angepassten ashi sabaki und tai sabaki eine wirkungsvolle Karatetechnik sowie der optimale Wechsel zwischen den unterschiedlichen Distanzen möglich ist.

 

Was selbstverständlich immer mittrainiert wird, ist die Selbstschau, das Betrachten der inneren Einstellung. Bin ich entschlossen genug, aber doch verantwortungsvoll mit meinen Techniken? Bin ich immer konzentriert?

Und genau diese Komplexität und Gesamtheit ist es, die mich auch jetzt wieder begeistert.

 

Der Abend ist wie gewohnt durch verschiedene interessante Themen geprägt. So stellt Sensei C.Lind die Frage, ob es notwendig ist, das Karate auf der „Straße“ auszuprobieren. Aber welche Erwartungen habe ich an das Experiment und welche Schlussfolgerungen ziehe ich aus dem (positiven oder negativen) Ausgang des Kampfes? Sensei Lind machte deutlich, dass es einerseits ethisch nicht richtig wäre, eine Schlägerei zu beginnen. Andererseits gibt uns der Ausgang des Kampfes keine Erkenntnis über unsere Kampfkunst, sondern nur über uns selbst. Was wiederum bedeutet, beim Training des Freien Jiyu Kumite die innere Haltung an einen realen Kampf anzupassen.

 

Herzlichen Dank an Sensei C.Lind und an Sensei M. Degen für die erlebnisreichen Tage und die vielen wichtigen Hinweise u.a. auch zur Bildung und zum Erhalt einer Budogemeinschaft. Viel Stoff, über den ich nicht nur auf meiner sechsstündigen Heimfahrt nachdachte.

 

Dirk Dommach

Zen-Karate Cottbus e.V.

 

 


19.10. - 24.10.2015 Jugendtrainingslager im ZEN-Karate Cottbus e.V.

Bericht von Henryk Berndt

Der Ablauf war im Großen und Ganzen gut. Als erstes sind wir vor dem Frühstück eine Stunde – von 7 bis 8 Uhr – Kata gelaufen. Jeden Tag eine andere. Anschließen gab es einen Guss (etwas ähnliches wie eiskalt duschen). Entweder im Gesicht, am Oberkörper oder Taulaufen (barfuß über die Wiese und eine kurze Steinstrecke).  Das Frühstück gegen 8.30 Uhr haben wir alle gemeinsam vorbereitet, gegessen und danach aufgeräumt. Danach waren von 10 bis 12 Uhr zwei Stunden Kumitetraining (Partnerkampf mit vorgeschriebenen Techniken). Anschließend gab es gegen 13 Uhr Mittag. Von 15 bis 18 Uhr war wieder Training. Diesmal haben wir unsere Aufmerksamkeit, Ausdauer und Kraft geschult.

Abendbrot gab es um 19 Uhr. Nach dem Aufräumen haben wir geduscht, unsere Schlafsäcke zurechtgemacht, den Tag besprochen und wir hatten Handyzeit. Geschlafen haben wir gegen 24 Uhr. Blöd fand ich, dass wir wenig Schlaf hatten und gleich dem Aufstehen Training hatten.

Das Essen war sehr lecker und wurde von uns allen selbst zubereitet. Zum Frühstück gab es Brötchen mit Wurst, Käse, Nutella und Marmelade. Dazu Milch oder Kakao, manchmal auch Bacon und Ei. Mittag gab es warme Gerichte, z.B. Reis oder Nudelpfanne, Plinse. Zum Abendbrot gab es meist auch warme Speisen und selten (1x) Stulle mit Brot. Es gab am Essen nichts auszusetzen.

Das Training und die Aktivitäten waren abwechslungsreich und meist anstrengend. Das Training war zwar anstrengend aber cool, weil wir viele Bewegungs- aber auch Konzentrationsübungen gemacht haben. Wir haben Nachtwanderung unternommen – sie war anstrengend aber cool. An einem Abend gab es Marshmallows und wir konnten ins Bett gehen wann wir wollten. Wir gehen bei jedem Lehrgang (auch bei diesem) in die Lagune. Dort müssen wir eine Stunde schwimmen, können aber anschließend eine halbe Stunde machen was wir wollen.

Im Lehrgang ging es diesmal um die Schulung der Aufmerksamkeit und um einen guten Zusammenhalt der Gruppe. Auch wurden wir auf die nächste Gürtelprüfung vorbereitet.

Ich fand es sehr schön.

 

Henryk Berndt

PS: Ein großes Dankeschön an die Trainer, weil sie uns diesen schönen Lehrgang ermöglicht haben.

 

Bericht von Kate Zimmermann

 

Es war ein sehr anstrengender, aber lehrreicher Lehrgang. Viel Karate gemacht, aber auch gelacht. Ob eine 15 Kilometer lange Wanderung oder eine Stunde schwimmen in der Lagune, alles wurde in der Gruppe geschafft und bis zum bitteren Ende durchgehalten. Selbst die Kleinen waren spitzenmäßig. Die Aufgabenverteilung war zwar manchmal nicht so gut, aber trotzdem haben wir meistens die ganzen Aufgaben geschafft. Jeder hatte in dieser Woche mal die eine oder andere schlechte Phase, aber gemeinsam haben wir das auch alle überstanden. Jeder hat versucht dem einen oder dem anderen unter die Arme zu greifen.

Wir sind wieder einmal mit dem Motto "EINER FÜR ALE UND ALLE FÜR EINEN" durch das Trainingslager gegangen.

Einen ganz lieben Dank an die Organisatoren für diesen großen Aufwand und dafür, dass ihr immer für uns da gewesen seid.

Bericht von Max Groth

 

Eh man sich versieht ist das Trainingslager schon wieder vorbei. Man hat viele neue Eindrücke über den Verein, das Karate und natürlich über die Lehrer und Schüler bekommen, viel trainiert und Einiges zusammen erlebt. Hier nun in Kurzfassung meine persönlichen Gedanken zum Herbst-Trainingslager 2015. Als ich das erste Mahl davon gehört hatte, dass bald wieder Trainingslager ist, das Sommer-Trainingslager war ja kaum vorbei, konnte ich es kaum noch erwarten. Klar wusste ich, dass es wieder höllisch anstrengend wird, doch das war mir egal. Jedes Trainingslager ist einzigartig und bringt einem auf dem Weg zum Erlernen des Karate einen riesen Schritt voran.

 Deshalb bemühe ich mich an jedem Trainingslager teilzunehmen. Am Montag, dem ersten Herbstferientag, war es dann soweit. Wir trafen uns alle gegen 14:00 Uhr im Dojo. Als erstes hatten wir eine Besprechung, in der uns Torsten etwas zum groben Ablauf des Trainingslagers erzählt hat. Danach stellten wir uns alle gegenseitig vor, wir trainieren ja sonst nicht alle in einer Gruppe. Die meisten kennt man natürlich schon, aber man erfährt immer wieder neues und lernt auch neue Vereinsmitglieder kennen. Als wir dann so gut wie alles besprochen hatten, sollten wir aufschreiben, was wir an den verschiedenen Tagen essen wollten und welche Sachen, auf das Karate bezogen, wir machen wollten. Ich finde, dass das eine gute Idee war um uns Schüler in den Trainingsablauf mit einzubringen. Im Trainingslager geht es ja nicht nur darum Karate zu erlernen, sonder auch sich selbst zu finden und mit anderen in der Gruppe klar zu kommen. Die gesundheitlichen Aspekte kommen auch im Trainingslager nicht zu kurz und so fand ich es wieder super, dass wir regelmäßig Güsse gemacht haben. Auch die im Zusammenhang stehende Geschichte mit Kneip und seinen Heilmethoden war sehr interessant und aufschlussreich. Da ich nun nicht alle Einzelheiten des Lehrgangs schildern will, möchte ich doch eine Sache besonders erwähnen. Es war die Nachtwanderung, die mich sehr beeindruckt hat. Für Manchen glich sie eher einer Überquerung der Alpen, als einer Wanderung. Immerhin haben wir rund 15 km zu Fuß zurück gelegt. Es war ein Erlebnis, wo wir alle wirklich als Gruppe zusammengehalten und gekämpft haben. Nochmal Hut ab, an alle die dabei waren. Die täglichen Trainingseinheiten ließen trotzdem noch ausreichend Zeit, sich bei Spiel und Spaß zu entspannen. Und so war es nicht verwunderlich, dass der Lehrgang schon bald wieder vorbei war. Vorfreude auf die kommende Ferienwoche stellte sich ein aber auch Traurigkeit kam auf, da die Zeit doch so schnell vergangen war. Ich denke vielen ging es ähnlich. Aber dennoch bereue ich Nichts und freue mich jetzt schon auf das nächste Trainingslager.

 

An dieser Stelle auch noch mal meinen besonderen Dank an die Übungsleiter: Torsten, Mel, Ronald und Sebastian aber auch an die Schüler, die alle zum Gelingen des Trainingslagers beigetragen haben. Danke, dass ich mit euch wieder eine so schöne Zeit hatte und ich bin mir sicher, dass das nächste Trainingslager genauso toll wird wie dieses.

 

Max Groth


17.09.2015 -19.09.2015 DANSHAKAI im Budostudienkreis - Bericht von Torsten Erler

Es war ein sonderliches Gefühl, in den Budokan des Budostudienkreises (BSK) nach Bensheim zu fahren. Das erste Danshakai fand statt, jedoch nicht mehr unter der Leitung von Sensei Werner Lind , er ist im Dezember 2014 verstorben. Die Familie Lind hat unter der Leitung von Sifu Monika Lind (A-Shifu im Taijiquan, im Qi Gong und vielen weiteren Ausbildungen) und Sensei Christian Lind (6.DAN Shotokan Kenpo Karate und vielen weiteren Ausbildungen) die Verantwortung für das weitere Bestehen des BSK und des Budokan übernommen. Dabei werden sie von allen Hauptlehrern des BSK unterstützt. Werner Lind hinterlässt eine mehr als funktionierende Gemeinschaft aus Kampfkunst Idealisten und aus Kampfkunst Visionären.

Das vordergründige Ziel des BSK ist die Entwicklung der Kampfkünste bis zur heutigen Zeit und die ursprünglichen Wurzeln zu erforschen. Diese historischen Betrachtungen zeigen keine Unterteilungen verschiedenster Stilrichtungen, so wie wir es heute kennen. Der Ursprung des Kampfes, in seiner traditionellen Herkunft, war der Handhabung von Händen, Füssen und Waffen, um zu Überleben.

 

Unser Danshakai ist die Zusammenkunft der Lehrer und Übungsleiter des Budostudienkreises, um durch die intensiven Begegnung die Freundschaften zu pflegen und das Kampfkunst Niveau in den verschiedenen Schulen des BSK, der „Zentralschule“ dem Budokan anzupassen.

 

Im BSK gibt es eine Vielzahl von methodisch - auf einander ausgerichteten Übungsformen (Schlagen, Stoßen, Treten, Werfen, Hebeln usw.). Es sind die Grundlagen der körperlichen - und der geistigen Haltungsschulung. Diese Grundformen erfordern ausdauerndes Üben und Streben nach dem Ideal der Bewegung und dem dazu gehörenden richtigen Verhalten im Dojo, in der Gesellschaft und gegenüber sich SELBST. Im ursprünglichen Mittelpunkt jeder Kampfkunst, stand die eigene Verteidigung. Die Ausbildung ist im BSK sehr umfangreich und vor allem auf die praktische Anwendbarkeit ausgerichtet.

Um dies noch weiter zu vertiefen, bekamen die Teilnehmer des DANSHAKAIS erstmals einen methodischen Einblick, in die Entwicklung der Freien Kampftechniken (Jiyu Waza). Diese werden zukünftig auch schon in den unteren Schüler Graden unterrichtet und in der Prüfung abgefragt. Es geht primär nicht um die technische Anwendung von Faustschlägen und Fußtritten, sondern um die Formen der richtigen Verhaltensweisen in einer realistischen Alltagssituation. Das beinhaltete zum Beispiel das Deckungsverhalten in den Nahen – und Mittleren Distanzen, die Kontrolle des Gegners in der Nahen Distanz, taktische Möglichkeiten – Angriffe zu unterbinden, realistische Wirkungsprinzipien von Bewegungen des eigenen Körpers, Automatisieren von Bewegungsabläufen für s.g. Stresssituationen u.v.m. . Die Ausbildung im Budostudienkreis ist technisch auf einem sehr hohem und außergewöhnlich tiefgreifendem Niveau und wird jetzt um das richtige Verhalten in einer Selbstverteidigung ergänzt. Um es nochmal im Besonderen zu betonen, die richtige Haltung in der Selbstverteidigung wurde schon sehr lange im BSK unterrichtet. Sie bekommt jedoch jetzt methodisch ihre eigene Aufmerksamkeit für die Lehrer und Übungsleiter in den externen Schulen des BSK.

 

Neben der eigenen Übung, sind Lehrer und Übungsleiter die Multiplikatoren an der Basis der verschiedenen Dojos. Leider ist die Auseinandersetzung mit dem „Kämpfen“, der Entwicklung von Stärke und Überlegenheit oft mit einem falschen Maß an Selbsteinschätzung verbunden. Jahrelang Übende entfernen sich zunehmend von der realistischen Einschätzung der eigenen menschlichen und emotionalen Qualitäten.

Um diesen Tendenzen bei den Lehrern und Übungsleitern im BSK entgegenzuwirken, werden wichtige Verhaltensformen von allen BSK Mitgliedern erwartet. Der Umgang mit der Bereitschaft, der Zuverlässigkeit und der Entschlossenheit wurde in diesem Zusammenhang allen Teilnehmern sehr deutlich gemacht. Die Teilnahme an den jährlichen Veranstaltungen des BSK (Seminare; Sommerfest; Danshakai; Trainingslager) sollten zukünftig rechtzeitig gemeldet werden. Im Falle des Nichterscheinens von verantwortlichen Schulleitern und DAN Trägern erwarten die Verantwortlichen des BSK eine entsprechende rechtzeitige Abmeldung.

 

Ich möchte mich herzlich bei allen Dojo Leitern, DAN Trägern, Übungsleitern und Schüler bedanken. Es war eine intensive Auseinandersetzung mit unserer Kampfkunst bei diesem DANSHAKAI. Der besondere Dank gilt den Hauptlehrern des BSK und der Familie Lind für Ihre intensiven Forschungen im Rahmen der Kampfkünste und dem sehr großen organisatorischen Aufwand, um das Vermächtnis von Sensei Werner Lind zu erhalten und weiter zu führen.

 

Torsten Erler

Dojoleiter

ZEN-Karate Cottbus e.V.


04.09. - 06.09.2015 Kakie & Kansetsu Waza - Bericht von Ronald Schneider

Kakie und Kansetsu waza Seminar

 

Nach der Ankunft um 21°° im Budokan Bensheim, mit freundlicher Begrüßung, hatte ich noch Gelegenheit eine Stunde das Abendtraining zu beobachten und auf Details beim Laufen der Taikyoku sandan zu achten.

Samstag begann das Training 10³°.

Die überschaubare Anzahl an Teilnehmern reichte von Gelb- bis schwarzgurt.

Mattias Degen begann mit Vorübungen zum Fallen,- dem Rollen dicht am Boden, erst selbständig vorwärts und rückwärts und dann reagierend auf den Impuls vom Partner.

Nahezu alle Übungen waren Partnerübungen.

Beim Kakie wurde großer Wert wurde auf die Entwicklung des Feingefühls für Zug und Druck gelegt, zu spüren in welche Richtung und wie weit geht eigentlich die Kraft des Partners um entsprechend reagieren zu können.

Um die Hebel an den Handgelenken, Ellenbogen und der Schulter auszuführen wurden verschiedene Grifftechniken an den Händen aus dem Kakie heraus geübt.

Geübt wurde dieses auch in Kombination mit Kontertechniken um sich den Hebeln zu entziehen.

Damit man sich auf die verschiedenen Größen und Gewichtsklassen einstellen muss wurden fortlaufend die Übungspartner gewechselt.

 

Volker Schulz leitete das Botraining am Samstag. bei dem es interessante Aufwärmbewegungen gab die viel Koordination beim Umgreifen am Bo erforderten.

 

Als letzte Übungseinheit nahm ich am Kumitetraining teil.

Der Schwerpunkt lag auf stark körperbetontem Training mit verschiedenen Angriffs, -und Kontertechniken sowie Abhärtungsübungen die ich noch Sonntag deutlich spüren konnte.

Und so wie man zusammen übt, kann man auch zusammen feiern.

Beim Bergsträßer Winzerfest am Samstagabend waren wir 12 Karatekas es gab großartigen Livegesang und wir haben dazu getanzt.

Vielen Dank an Mathias Aust und Florian Geier für die Fahrt zum Fest und zurück.

Es war wieder einmal ein sehr interessantes Seminar, welches auf dem Karate-Do ein Puzzlestück mehr darstellt.

 

Ronald Schneider

 


18.07.2015 Gürtelprüfung im Budokan in Bensheim - Bericht von Melanie Sanderhoff, Hartmut Schulze, Holger Zaruba, Bernd Melcher, Max Groth, Johannes Vogel, Ronald Schneider

Unsere Prüfung in Bensheim

7 Prüflinge und unser Lehrer, Dirk Dommach fuhren Samstag um 5 Uhr in Cottbus los. Nach 6 Stunden Fahrt und der Begrüßung ging es gleich an die Prüfungsvorbereitung: Wir liefen Katas, übten Kumite und Kihon. Die allgemeine Aufregung vor der Prüfung und die Hitze an dem Tag machte uns allen zu schaffen. Dazu kam das Bewusstsein, dass selbst die intensivste Übung vorher nicht ausreichend ist, um sagen zu können: „Jetzt fühle ich mich wirklich zur Prüfung bereit“. Rund 25 Prüflinge und etwa halb so viel Prüfer begrüßten sich.

Die Prüfung begann um 14 Uhr mit den Ninjutsu-Prüflingen. Für die Karatekas bedeutete das, erst einmal zu warten. Die Wartezeit gehörte aber auch schon zur Prüfung. Jeder musste für sich die Wartesituation annehmen und sich in Geduld und Gelassenheit üben. Nach ca. 2,5 Stunden waren wir dann an der Reihe. Sehr hilfreich war, dass Sensei Christian Lind uns mit großer Ruhe und Geduld durch die Prüfung geleitete. Wer mal nicht weiterwusste, dem half er. An den nach uns antretenden höheren Farbgurten war beeindruckend zu sehen, welches Niveau an Können, Wissen und Ausführung erreicht werden sollte, um das nächste Mal zur Prüfung anzutreten.

Jeder gab sein Bestes, so dass am Ende alle die ersehnte Urkunde entgegennehmen konnten. Zum Ende des Tages sind wir noch mit einigen Prüfern und Prüflingen gemeinsam beim Griechen eingekehrt. Ein entspannter Ausklang des Tages in Bensheim mit heiteren Gesprächen bereitete die Heimfahrt vor. Nach 26 Stunden und 1200 km Fahrt freuten wir uns alle auf unsere Betten.


Melanie Sanderhoff, Hartmut Schulze, Holger Zaruba, Bernd Melcher, Max Groth, Johannes Vogel, Ronald Schneider
ZEN-Karate Cottbus e.V.


15.07. - 18.07.2015 Jugendtrainingslager in Cottbus

Jugendtrainingslager in Cottbus

Hier finden sie ein paar Impressionen vom Jugendtrainingslager in Cottbus:


15.07.2015 Kyu Prüfung für die Kinder in Cottbus

Im folgenden finden Sie die Bilder von der Kyu Prüfung.


06.06.2015 Sommerfest

Unser Sommerfest im ZEN-Karate Cottbus e.V.


28.03.2015-04.04.2015 Seminarleitung: Christian Lind und Peter Schömbs - Frühjahrstrainingslager in Frankreich

Bericht Norman Muschka

Ich versuche mich der Aufgabe zu widmen, eine Zusammenfassung sowie ein Feedback
zum Karate Trainingslager 2015 des (BSK) in Frankreich (Lothringen) zu schreiben.
Vom Trainingslager erhoffte ich mir tiefer in die Kampfkunst hineinzublicken und durch neue Erfahrungen diesen Weg (Do) zu festigen. Eine der zwanzig Regeln des Karate-Do von Funakoshi Gichin besagt, ,,Karate ist wie kochendes Wasser: ohne Hitze fällt es

in einen lauwarmen Zustand zurück“. Meine nun gewonnene Erfahrung ist, dass eine Woche Trainingslager das Wasser zum brodeln bringt.

 

Am Samstag den 28.03.2015 trafen wir uns am Dojo in Cottbus um von da aus auf die 980 km Reise nach Frankreich (Lothringen) aufzubrechen. Ich hatte die Ehre und die Verantwortung unseren Trainer Dirk Dommach meine Mitschülerin Melanie Sanderhoffund den Karteschüler Maik aus dem Dojo Eisenhüttenstadt sicher zum Zielort zu bringen, was mir auch gelang.


Das Training begann direkt am Tag nach unsrer Ankunft. Regen und ein Wind der auch stürmische Züge annahm, waren für die ersten zwei Tage unsere Trainingsbegleitung. Ich kann nach dieser Erfahrung nur die Empfehlung aussprechen, für das Frühjahrstrainingslager vor allem gutes Schuhwerk einzupacken und lieber mehr als zu wenig Socken dabei zu haben. Unsere Sensei´s Christian Lind und Peter Schömbs forderten uns auf trotz der scheinbar ungünstigen Bedingungen saubere Formen zu zeigen. „Das Wetter und der Ort dürfen keine Rolle spielen.“

Im Focus des diesjährigen Trainingslagers standen die 5 Haian Katas und deren Form Anwendungen in der Grundschule (Kihon) als auch in der freien Form (Jiyu). Da weiter zunehmender starker Regen und Wind ein Training unter freiem Himmel nicht weiter sinnvoll machte, entschieden unsere Sensei´s ein Training im Aufenthaltsraum unserer Pension durchzuführen. Für mich war es eine interessante Erfahrung auf welch kleinem Raum ein intensives und lehrreiches Training möglich ist. Umsicht und Achtsamkeit sind hierfür natürlich Grundvoraussetzung. Da wettermäßig keine Besserung in Sicht war, wurde durch unsere Sensei´s die Entscheidung getroffen uns für die restlichen Tage nach einer Trainingshalle umzusehen. Gute Französischkenntnisse eines Mitübenden ermöglichten es, in der Gemeinde Saint Maurice sur Moselle eine Gemeindehalle anzumieten. Nach zwei Tagen im Regen waren wir alle sehr froh einen überdachten Trainingsort gefunden zu haben. Mit unserer angemieteten Übungshalle nahm dann das Training weiter an fahrt auf. Morgens trainieren dann gemeinsam Frühstücken. Nachdem Frühstück Training bis zur Mittagszeit. Nach dem Mittagessen eine Pause und dann Training am Nachmittag. Nach dem Abendessen saßen wir in sehr angenehmer Atmosphäre zusammen musizierten, sangen, redeten, lachten und lauschten aufmerksam den Lehrgesprächen (Mondo´s) der Sensei´s. Herausstellen möchte ich hier das großartige Gemeinschaftsgefühl in dieser Woche. Ob wohl wir uns aufgrund der großen Entfernung der verschiedenen Dojo´s nur selten sehen, so war das Zusammensein doch wie ein Treffen alter Freunde. Der Umgang miteinander war unkompliziert und warmherzig. Die verschiedenen Charaktere fanden bis auf ein paar kleine Unaufmerksamkeiten in kurzer Zeit zu einer funktionierenden Gemeinschaft zusammen.


„Eine Woche Trainingslager ersetzt ein halbes Jahr Training!“ erklärte Sensei Christian Lind zu Anfang der Woche. Im Nachhinein kann ich erkennen, dass ich in vielen Techniken wirklich sehr gute Fortschritte machen konnte. Ein Hilfsmittel war auch, dass unsere Prüfungskata am letzten Trainingstag von Sensei Peter Schömbs gefilmt wurde, um sie dann am Abend auszuwerten. Ich konnte durch die Selbstbetrachtung und Anregungen der Sensei´s einiges Erkennen was mir vorher noch nicht bewusst war und habe dadurch die Möglichkeit erhalten, gezielt an einigen Sachen zu arbeiten. „Erfahrungen vererben sich nicht - jeder muss sie allein machen.“ Kurt Tucholsky

 

Für mich war die gesamte Woche eine tolle Erfahrung und ich kann nur jedem empfehlen am Trainingslager des BSK teilzunehmen.
Meinen besonderen Dank möchte ich Sensei Peter Schömbs, Sensei Christian Lind und Trainer Dirk Dommach aussprechen. Außerdem bedanke ich mich bei der gesamten Budo Gemeinschaft für die angenehme und lehrreiche Woche. Ich freue mich auf ein Wiedersehen.

Norman Muschka (Zen-Karate-Cottbus e.V.)

 


Bericht Melanie Sanderhoff

In diesem Jahr fuhr ich das erste Mal gemeinsam mit Dirk Dommach, Normen Muschka in das Frühjahrs Trainingslager nach Saint Maurice sur Moselle (Frankreich). Sensei Peter Schömps & Sensei Christian Lind leiteten das Trainingslager mit Ihrer Geduld, Hingabe & dem BUD? Wissen (Weg der Kampfkünste). „Eine Woche Trainingslager ersetzt ein halbes Jahr Training!“ (Sensei Christian Lind)

 

 
Wir wurden herzlich empfangen, wie gute alte Freunde. Das Studium der 5 Heian Katas war Basis des Trainingslagers & wurde mit einem Film von Hirokazu Kanazwa über die Shotokan-Kata´s untermalt. Das Timing & das Kime (Die Entscheidung) bereiteten mir Schwierigkeiten, konnten aber im Laufe immer besser umgesetzt werden. Die Abende begannen mit der Vorbereitung des Essenkochens, musizieren & massieren. Im Laufe des Trainingslagers massierte ich 6 Personen & konnte auch auf diese Weise zum Wohle des Gemeinschaftslebens beitragen. Ich lernte die einzelnen Charaktere genauer kennen & genoss das friedliche, entspannte & unkomplizierte Gemeinschaftsleben. Durch Dauerregen fand ein Training in der Küche statt. Hier wurden viele Prinzipien der Uke Waza (Abwehrtechniken) erklärt, erlebt & auch in den Trainingspausen philosophisch betrachtet. Es kommt nicht nur auf die exakte Endposition an, sondern auf den Weg dorthin. Dabei spielt der Einsatz der Hüfte eine wichtige Rolle. Wie dreh ich ab, wann & warum. Alles Dinge, die einen dazu zwingen, immer & immer auf´s neue zu üben. Egal welche Technik, welche Form, welcher Ablauf. Ich habe auch erkannt, dass die Techniken, wenn ich diese vermeintlich "falsch" ausgeführt habe, nicht ewig nach betrachtet werden dürfen. Es galt, das bewertende oder auch das unterscheidende Bewusstsein zu minimieren, um sich nur im Moment der reinen Bewegung energetisch zu entfalten.
 
Raphael organisierte letztendlich eine Trainingshalle für uns, um dem Dauerregen zu entkommen. Das Thema Sabaki (Bewegung in Zeit & Raum) war bekannt aber fiel mir sichtlich schwer. Um zu kontern wird in die gegnerische Technik u.U. hinein gegangen, das war eine psychische Herausforderung für mich. Obwohl ich wusste, dass mir nichts passieren kann. Nach einiger Zeit hatte ich aber das unwohle Gefühl im Griff. Zum Abschluss fand noch Waffentraining statt. Einige übten am Bo, an den Nunchaku´s, mit Tonfas, Bokken oder im Kyudo (traditionelles Bogenschießen). Seit sehr langer Zeit hielt ich mein Bokken in den Händen. Die Ausführung vom Rei, vom Yoi & die erste Kombination der ersten Kata war vom Handling schwierig. Jetzt heißt es für mich üben. Damit ich beim nächsten Wiedersehen den Rest der Ersten Kata kennenlernen kann. An einem Abend musizierten wir viel & sehr lange. Es bildeten sich zwei Teams & sangen um die Wette. Dabei wurde sehr viel gelacht, viele schiefe Töne erhellten den Raum aber auch wunderbare Klänge der Gitarren & der Mundharmonika. Gewonnen haben beide Teams, weil die Leidenschaft des Singens bei beiden zu spüren war.
 
Am freien Tag besuchten 10 Personen die Stadt Colmar. Das Wetter meinte es auch gut mit uns & wir schlenderten im Sonnenschein durch die Altstadt, besuchten eine Kirche, einen Markt & verbrachten den frühen Abend in einem Restaurant. Es war eine ausgelassene, heitere & lustige Atmosphäre. Ich hatte die Möglichkeit mein Hobby „Geocaching“(GPS-Schnitzeljagd) mit den Anderen zu teilen. Zu Zehnt suchten wir aber leider vergeblich. Ich fand es schön, dass sich alle darauf einließen & einfach mitgemacht haben. Die Mondo´s (Lehrgespräch) der Sensei´s waren sehr interessant & ich konnte einige Aussagen für mich mitnehmen. Sensei Peter Schömbs filmte meine Prüfungskata, mit Analyse am Abend. Es ist schon erstaunlich sich selbst zu betrachten. Die eigene Wahrnehmung ist nicht immer die richtige. Ich erkannte viele Dinge die das intensive Üben fordern, das bestätigten mir auch die Sensei´s. Aber das Kime ist für meine Leistungsstufe gut. Über diese Aussage habe ich mich gefreut & werde trotzdem weiter daran arbeiten.
 
  • „Kampfkunst ist nicht was früher war, was sein wird, sondern das Hier & Jetzt auch das Gemeinschaftsleben!“
  • „Karate leiten ist einfach, aber nicht die Prinzipien des BUD?“ (Sensei Christian Lind)
Die Intensität des Trainingslagers war sehr hoch, anspruchsvoll, lehrreich & gab Kraft zum Wachsen. Vielen Dank an Sensei Peter Schömbs & Sensei Christian Lind für diese wertvollen Erfahrungen.
Melanie Sanderhoff ZEN Karate Cottbus
 

07.03.2015 Abschied vom Begründer des Budostudienkreises WERNER LIND / Gedenkfeier im Budokan

Abschied vom Begründer des Budostudienkreises WERNER LIND
Nachruf

In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Sensei Werner Lind, der am 21.12.2014 verstorben ist.

Wir alle sind sehr glücklich, ihn als Menschen und großartigen Lehrer erlebt zu haben. Er hat nicht nur technisch die Kampfkunst in
Deutschland und Europa verändert, sondern vor allem durch sein Wesen und seine Art Budo zu vermitteln uns als Menschen geprägt. Für viele von uns war er Wegbereiter und -begleiter im wahrsten Sinne des Wortes.

Lieber Werner, wir werden dich sehr vermissen und danken dir für dein großartiges Lebenswerk, welches wir im Herzen und in Taten weiterführen werden. (Quelle: http://www.budostudienkreis.de/)

 

 

 

Interview mit Sensei Werner Lind

(Quelle http://www.budostudienkreis.de/intro/infos-bsk/lehrer-des-bsk/interwievs-mit-bsk-lehrer/interwievs-mit-werner-lind/)

 

Budo – Ein Mittel zur Selbstperfektion Werner Lind ist einer der anerkanntesten Karate-Lehrer der heutigen Zeit Interview von Wolfgang Gleich, Chefredakteur der Zeitschrift Donauschwaben Er gilt als einer der anerkanntesten und erfolgreichsten Kampfsportler sowie Kampfkunstlehrer in Deutschland. Als Fachbuchautor hat er sich einen Namen gemacht, der weit über die Landesgrenzen hinaus einen sehr guten Klang hat, und einige der von ihm verfaßten Bücher gelten in der Szene heute schon als Klassiker; ja, manche erschienen sogar in italienischer, tschechischer, polnischer und rumänischer Sprache.

 

Sein jüngster Coup: die Herausgabe eines vielbeachteten, fundierten Lexikons über die ostasiatischen Kampfkünste. Die Rede ist hier von Werner Lind, und für den “Donauschwaben” ist zunächst einmal erwähnenswert, dass es sich bei ihm um einen Landsmann aus Rumänien handelt. – Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen:

 

DS: Herr Lind, wo genau sind Sie geboren und aufgewachsen?

 

Werner Lind: Ich bin 1950 in Warjasch, im rumänischen Banat geboren. Aber bereits als Jugendlicher kam ich nach Timisoara (Temeschburg), wo ich während meiner Schulausbildung wohnte und mit kurzen Unterbrechungen auch bis zu meiner Ausreise nach Deutschland, also bis 1979 blieb.

 

DS: Und wie kamen Sie mit dem Kampfsport in Berührung?

 

Werner Lind: Bereits als Jugendlicher begann ich in Temeschburg j?d? zu üben. In diesem stark versportlichten System suchte ich aber immer wieder nach Aspekten der Selbstverteidigung und Philosophie. Da dies in allen “Kampfsportarten” bis heute nicht zu finden ist, besorgte ich mir Bücher über “Kampf-Kunst” aus Deutschland und stieß dabei auf zwei Werke von Albrecht Pflüger, der zu jener Zeit karated?, das heißt “der Weg des Karate”, in Deutschland publik machte. Auf dieser Grundlage machte ich meine eigenen ersten Schritte im Karate-do. Diese Kunst war im Osten Europas bis zu jener Zeit vollkommen unbekannt. Trotz meiner damaligen wohl eher stümperhaften Bemühungen erregte ich Aufsehen und begann etwa 1968 in Temeschburg zu unterrichten. Kurz darauf kamen ausländische Studenten in die Stadt, die in ihren Heimatländern im Sport-Karate bereits graduiert waren. Unsere junge Bewegung lernte viel von ihnen, doch den ersten wirklichen Kontakt hatten wir mit Ilja Jorga, einen international hochgraduierten und anerkannten Karate-Sportler aus Pantschowa, der danach für mehrere Jahre auch mein Lehrer war. Was wir damals machten war allerdings Karate-Sport und hat mit meiner heutigen Auffassung von Karate als Kunst nur noch wenig zu tun.

 

DS: Und wie ging es dann weiter, mit Ihnen und dem Karate?

 

Werner Lind: Langsam etablierten sich in Rumänien heimische Lehrer, unter ihnen auch ich, die das karate am Leben hielten und verbreiteten. Sicher hatten wir nicht sehr viel Ahnung von dem enorm komplizierten philosophischen Hintergrund dieser Kunst, doch wir taten unser Bestes. Karate wurde organisiert, und nach dem Beispiel der ausländischen Föderationen hielten wir lokale und später landesweite Wettkämpfe ab. Über Jorga hatten wir ständig Kontakt zum internationalen karate und zu verschiedenen Großmeistern. Anfangs hatten wir die Unterstützung der rumänischen Behörden und unterrichteten ganz offiziell in verschiedenen Clubs. Ich selbst unterrichtete am Sportgymnasium, an der Uni und im Laufe der Jahre noch an mehreren anderem Orten.

 

DS: Und dann kamen Sie nach Deutschland. Wie ging das vor sich?

 

Werner Lind: Mir war – wie schon gesagt – der rein sportliche Aspekt des karate nie ausreichend, und so unternahm ich viele Anstrengungen, um karate als Kunst zu verstehen und zu unterrichten. Doch die “Karate-Ideologie” vertrug sich nicht mit dem kommunistischen Einheitsdenken. So zeichnete sich eine Kollision mit den Behörden ab. In der Tat gab es immer mehr Kontrollen und Restriktionen, worauf ich beschloß, ein eigenes d?j? – also einen Übungsraum – zu bauen. Dies gab es bisher in Rumänien noch nie! Private Aktivitäten, die sich der Kontrolle durch die Instanzen entziehen konnten, waren im Kommunismus strikt verboten, und als in dieser Halle auch noch andere Gruppen aktiv wurden, praktisch sich eine Konkurrenz zu den kommunistischen Kulturhäusern entwickelte, erhielt ich überraschend die Ausreisegenehmigung. Meine d?j? wurde in ein Zementlager umfunktioniert.

 

DS: Ich kann mir vorstellen, dass der Anfang in einem fremden Land, das Fußfassen in einem doch eher ungewöhnlichen Bereich wie der Kampfsport-, oder wenn Sie so wollen Kampfkunstszene, nicht ganz einfach war. Wie haben Sie dies geschafft?

 

Werner Lind: Ehrlich gesagt, Herr Gleich, besonders problematisch fand ich Deutschland nicht. Von Anfang an stürzte ich mich in die Arbeit im karate und hatte praktisch keine Zeit, die so oft zitierte Mentalitätsumstellung zu empfinden. Ich gewann schnell Freunde, und da ich sofort zu unterrichten begann, war ich meistens von vielen Menschen verschiedener Altersklassen umgeben. Ich habe Deutschland nie als einen Widerspruch empfunden, obwohl ich vieles davon nicht mag. Ich würde sagen, ich habe mir ziemlich eigenwillig das Beste aus meiner Vergangenheit bewahrt, habe aber auch angenommen, was ich gut fand. Nicht nur ich, sondern viele meiner engen Vertrauten aus dem “Budo Studien Kreis” vertreten heute eine Kombination aus rumänischer und deutscher Mentalität. Zum letzten Teil Ihrer Frage fällt es mir schwer, Stellung zu nehmen. Ob ich es “geschafft” habe, weiß ich nicht. Wir haben zur Zeit viel internationale Resonanz und haben das deutsche karate mit Sicherheit verändert und mitgeprägt. Doch karate ist wie Musik, es gibt viele Strömungen und wir sind nur eine unter ihnen.• DS: Irgendwann, besser gesagt 1990 gründeten Sie dann also den Budo Studien Kreis”. War dies der endgültige Durchbruch zu Anerkennung und Erfolg? Werner Lind: Nun, der Budo Studien Kreis entstand praktisch von selbst. Die enorme Nachfrage nach Hintergründen, wissenschaftlichen Studien, Seminaren in fremden Organisationen, Erläuterungen über Sinn und Inhalt, waren mir und meinen Mitarbeitern Ansporn und Druck zugleich. So begannen wir uns zu organisieren. Als wir uns einen Namen gaben, sprach man von uns als einer neuen Organisation, die wir aber nicht sind. Der Budo Studien Kreis ist eine Studiengemeinschaft, die übergreifend über alle Organisationen etablierte Lehrer vereint, um durch gemeinsame Erfahrungen effizienter forschen zu können. Darüber hinaus werden im Budo Studien Kreis auch Lehrer ausgebildet, nachdem sie in anderen Organisationen mindestens den Schwarzgurt erreicht haben, und Seminare im klassischen Karate-do auf internationaler Ebene abgehalten. Auch betreiben wir eine hauseigene Schule für klassische Kampfkünste, genau gesagt für Karate, Taijiquan und Ninjutsu, in der wir auch Anfänger aufnehmen.

 

DS: Für einen Außenstehenden ist es ist es nicht ganz einfach, die vielen Kampfsportarten und -stile auseinander zu halten und gegeneinander abzugrenzen. Deshalb die Frage: Was ist das Besondere, Originäre am Kampfsport, wie man ihn im Budo Studien Kreis praktiziert und lehrt? Werner Lind: Um dies von vornherein gegeneinander abzugrenzen: im Budo Studien Kreis wird kein Kampfsport, sondern Kampfkunst betrieben! Der Unterschied besteht darin, dass es in den Kampfsportarten darum geht, Wettkämpfe zu gewinnen. Dies verändert sowohl die Technik als auch den ideologischen Inhalt des Trainings. Alle Mitglieder des Budo Studien Kreises betreiben ihre Kunst als Lebensweg, das heißt als Mittel zur Selbstperfektion, sowohl im psychischen als auch im physischen Sinn. Dies jetzt hier näher zu erläutern, ist sehr schwierig. Die Inhalte habe ich in dem Buch “Budo”, erschienen im Scherz-Verlag, veröffentlicht.

 

DS: Die Tätigkeit des Budo Studien Kreises geht also über das “Nur” -Lehren und -Lernen hinaus, wie man ja auch an Ihrem vor kurzen erschienenen Kampfkunst-Lexikon sehen kann? Werner Lind: Ja, die Lehrer des Budo Studien Kreises betreiben die Kampfkünste als ein Studium, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Unsere Erfahrungen vermitteln wir über Buchveröffentlichungen und bei Seminaren. Sicherlich kann man dies nicht in einer Wochenendbeschäftigung erreichen, sondern nur durch professionelle Arbeit. Aber wir haben ein gutes Team, sind ausgezeichnet organisiert und ergänzen uns hervorragend. Überwiegend auf Teamarbeit und Beständigkeit beruht unsere Effizienz. Wenn es irgendwas gibt, was wir anderen voraus haben, ist es dies. Und nicht zuletzt möchte ich erwähnen, dass die Integration verschiedener Denk- und Lebensweisen aus dem Osten Europas in unsere Ausbildungssysteme Menschen geformt und beeinflußt hat, mit deren Hilfe eine solche Teamarbeit möglich wurde. Dies wurde uns von außerhalb des Kreises bestätigt. Und wenn ich heute zurückblicke, dann weiß ich, dass der Kampf gegen die Abgrenzung, gegen die Selbstgefälligkeit und gegen das Mißtrauen der schwierigste war, den es zu gewinnen galt.

 

DS: Ein ganz anderes Thema Herr Lind: Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass Ihnen Deutschland mittlerweile zur neuen Heimat wurde. Was bedeutet “Heimat” eigentlich für Sie? Werner Lind: “Heimat”, Herr Gleich, ist für mich weniger an den Ort, als an die Menschen gebunden. Der Begriff selbst wurde so oft politisch mißbraucht, dass ich ihn rein gefühlsmäßig eigen interpretiere. Ich habe weder zu Rumänien noch zu Deutschland eine Beziehung, wenn man darunter ein staatliches Gefüge innerhalb politischer Grenzen versteht. Allerdings interessiere ich mich für die Menschen, die da leben, für ihre Gewohnheiten, ihre Kultur und Lebensweise. Zuhause sein kann ich überall dort, wo ich Zugang und Integration erfahre. Politische Strukturen korrumpieren immer im Laufe der Zeit – das war im Kommunismus so und ist hier nicht anders. Für den besseren Menschen zu kämpfen ist ein Ziel, das sich lohnt, die bessere Gesellschaft kann nur eine Folge davon sein.

 

DS: Herr Lind, den Kontakt zum Südosten Europas, zur alten Heimat, haben Sie bis heute nicht verloren.

Weder sportlich noch menschlich. Richtig?

 

Werner Lind: Ich habe in Rumänien viele Freunde und fahre jedes Jahr mit einer Gruppe von mehreren Karate-Lehrern aus dem Budo Studien Kreis nach Temeschburg: Fast das gesamte Jahr über befinden sich rumänische Karate-Lehrer unentgeltlich in unserer Schule zur Ausbildung. Dazu kommen noch viele weitere zumeist Kulturgruppen, die unsere Schule als Anlaufstelle für ihre Aktivitäten in Deutschland nehmen. Auch sie bezahlen nie Übernachtung und Verpflegung. Den ersten Auftritt organisieren wir ihnen immer in unserer Räumen. Einmal im Jahr veranlassen wir eine Hilfsaktion für Rumänien, die unsere Leute persönlich begleiten und durchführen. Ich selbst veranstalte einmal jährlich ein großes Sammelseminar für die rumänische Karate-Föderation. Angefangen bei Lehrerausbildungen in Deutschland bis zu sämtlichem Material für die Kampfkünste, wie Bücher, Filme, Studien usw. erhält die rumänische Organisation vom Budo Studien Kreis alles unentgeltlich. In diesem Jahr haben wir in Rumänien ein Karate-Buch auf unsere Kosten verlegt und in den Handel gebracht. Mit dem Vertrieb haben wir eine gemeinnützige Stiftung aus Temeschburg beauftragt, die auch den gesamten Erlös aus dem Verkauf für Rumänien verwenden darf. Es gibt noch viele weitere solche und ähnliche Projekte. Nicht nur ich, sondern auch die BSK-Lehrer mögen Rumänien, sie mögen die Menschen dort und manche von ihnen werden auch selbständig aktiv, in dem sie verschiedene zumeist kulturelle Aktivitäten dort iniziieren / unterstützen und zu deren Gelingen beitragen.

 

DS: Herr Lind, eine letzte Frage: im Budo Studien Kreis nennt man Sie “Sensei”.

Was bedeutet dieses Wort und was bedeutet eigentlich “Budo”?

 

Werner Lind: Die Begriffssprache in den Kampfkünsten ist traditionsgebunden Japanisch. Dies ist notwendig, da die japanischen Begriffe einen leichteren Zugang zu Forschungen in der asiatischen Geschichte und Philosophie erlauben, als wenn wir deutsche Begriffe verwenden würden. “Sensei” bedeutet einfach nur “Lehrer”. Der Begriff “Budo” bedeutet “Weg des Kriegers” und hat eine umfangreiche philosophische Bedeutung, die sicherlich den Rahmen dieses Gesprächs sprengen würde.

 

DS: So mag es wohl sein. Herr Lind ich danke Ihnen vielmals für dieses ausführliche Interview.

 

Das Gespräch führte für den „Donau Schwaben” Chefredakteur Wolfgang Gleich